{"id":753,"date":"2020-02-25T11:48:01","date_gmt":"2020-02-25T10:48:01","guid":{"rendered":"https:\/\/christophgrubits.at\/?p=753"},"modified":"2020-02-25T11:49:29","modified_gmt":"2020-02-25T10:49:29","slug":"foley-sounddesign-wie-eine-serie-oder-ein-film-vertont-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christoph-neuwirth.at\/en\/foley-sounddesign-wie-eine-serie-oder-ein-film-vertont-wird\/","title":{"rendered":"Foley &#038; Sounddesign: Wie eine Serie oder ein Film vertont wird"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem Drei Sch\u00e4tze abgedreht wurde, haben Magdalena M\u00fcller und ich auf den Rohschnitt der Video-CutterInnen gewartet. Idealerweise arbeitet man mit dem Picture Lock, sodass sich im Nachhinein nichts mehr verschiebt. In unserem Fall ist der Picture Lock noch nicht ganz erreicht, aber auch nur weil nachher noch auf die Musik von uns geschnitten wird. Der n\u00e4chste Schritt neben der Mischung war es Foley aufzunehmen und uns um das Sounddesign zu k\u00fcmmern. M\u00e4ggie und ich haben sogar einen kleinen Gastaustritt in der Serie.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Set-Up &amp; Aufnahme<\/h3>\n\n\n\n<p>Am besten arbeitet man zu zweit: Eine Person sitzt vor dem Computer und k\u00fcmmert sich um die Session, die andere Person vertont alles in einem akustisch optimierten Raum. Ersteren Part hat M\u00e4ggie \u00fcbernommen, w\u00e4hrend ich alle Szenen, Bewegungen, (Inter-)Aktionen und Geschehnisse nachgespielt habe. Dabei ist es wichtig viel mit Objekten, Materialien und Mikrofonen zu experimentieren. Oft reicht es denselben Gegenstand neu aufzunehmen, aber in manchen F\u00e4llen sollte man sich \u00fcberlegen aus was f\u00fcr einem Material ein Objekt besteht um vielleicht einen passenderen Sound f\u00fcr das Foley zu finden. Meist wird untersch\u00e4tzt was Foley f\u00fcr einen Unterschied machen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben uns f\u00fcr das Neumann TLM 103 bzw. 102 entschieden, da es am rausch\u00e4rmsten war und einen relativ neutralen Frequenzgang aufweist. Das Sennheiser MKE 600-Richtrohrmikrofon hatte meist nicht genug Bass und ein h\u00f6rbares Eigenrauschen. Da Ger\u00e4usche meist nicht laut sind und gleich volumin\u00f6s und basslastig werden k\u00f6nnen wenn man versucht sie lauter nachzustellen, sind leise Vorverst\u00e4rker und ein rauscharmes Mikrofon ein Muss f\u00fcr Foley. Lediglich bei T\u00fcrger\u00e4uschen haben wir das MKE 600 benutzt, da wir die T\u00fcr in keinem akustisch optimierten Raum aufgenommen haben und wir so wenig Raumhall wie m\u00f6glich in der Aufnahme haben wollten.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrenddessen ist es immer gut gleich ein paar Spuren in der Session anzulegen und sich ein System zu \u00fcberlegen. Wir haben es immer nach Szenen gruppiert und uns langsam vorgearbeitet. Anfangs haben wir noch Listen mit notwendigen Foleysounds erstellt, sp\u00e4ter einfach darauf hin losgearbeitet wenn uns etwas aufgefallen ist, das vertont werden muss. Bis auf ein paar sehr wenige Ausnahmen sind alle Sounds entweder aus dem O-Ton oder selbst aufgenommen. Nur ein paar Kl\u00e4nge sind von Libraries genommen worden. Das liegt einfach daran, dass man oft sehr lange braucht um den richtigen Sound zu finden und die Neuaufnahme vor allem in puncto Timing meist leichter ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Sobald die Aufnahme l\u00e4uft hei\u00dft es: Talkback ausschalten, einatmen, Luft anhalten und aufnehmen. Denn selbst das leise Ger\u00e4usch des Lautsprechers oder ein Atemzug ist in der Aufnahme drauf. Sogar meine Hose wurde zum akustischen Problem: Jede Bewegung hat immer wieder ein leichtes Rascheln drauf gehabt, sodass ich komplett still stehen, sitzen bzw. manchmal auch liegen musste.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Viel zu viele Ger\u00e4usche<\/h3>\n\n\n\n<p>Selbst mit einem Serienpiloten der lediglich 19 Minuten lang ist, kann man schon mehrere Tage allein an der Foley-Aufnahme sitzen. Es hei\u00dft zwar immer, dass nur 2,5 akustische Streams gleichzeitig wahrgenommen werden k\u00f6nnen, aber dennoch gibt es so viele Interaktionen, dass man innerhalb einer Minute leicht \u00fcber 25 kurze Sounds ben\u00f6tigt. Meist sind diese auch alle schnell erledigt, aber es summiert sich am Ende dennoch.<\/p>\n\n\n\n<p>Man braucht es nat\u00fcrlich nicht \u00fcbertreiben: Oft ist weniger mehr. Aber die Kleinigkeiten gut klingen zu lassen erfordert doch etwas Zeit. Vieles war durch den kleinen Aufnahmeraum zu basslastig. Mit einem Low-Cut zwischen 50 und 200 Hz, je nach Ger\u00e4usch, sind wir gut weitergekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Interessant war es zu sehen, dass oft auch viel au\u00dferhalb des Bilds passiert. Dabei ist es z.B. passiert, dass im ersten Bild eine Darstellerin ein Glas putzt, dann geschnitten wird und sie pl\u00f6tzlich nach dem n\u00e4chsten Schnitt aus dem Nichts ein zweites Glas nimmt w\u00e4hrend das andere verschwunden ist. Optisch f\u00e4llt das nicht auf, sie kann ja eines abgestellt haben und sich das n\u00e4chste genommen haben. Akustisch fehlt es aber dennoch. Dadurch mussten wir au\u00dferhalb des Frames dem Schnitt regelrecht Continuity verleihen. An diese Dinge habe ich vorher noch gar nicht gedacht.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Immer dieses Timing&#8230;<\/h3>\n\n\n\n<p>Ist einmal alles aufgenommen, hat die M\u00e4ggie alles auf ihren rechten Platz geschoben. Durch leichte Bildlatenzen im Aufnahmeraum, hatten wir schon von Anfang an einen leichten Delay von ca. 100\u2013200 ms. Dabei sind Geschehnisse im Bild noch leicht zu platzieren. Sobald man Ger\u00e4usche vertont, die man nicht mehr ganz sieht, wird es schwieriger. Dabei waren vor allem Schritte bei Nahaufnahmen eine Herausforderung, da man merkt, dass das Ger\u00e4usch manchmal nicht ganz synchron ist, aber man kann nicht sagen ob er nun zu fr\u00fch oder zu sp\u00e4t angespielt wird. Meist ist es ein Ausprobieren bis es nicht mehr st\u00f6rt. Dann sollte das Timing in Ordnung sein.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kreativ sein<\/h3>\n\n\n\n<p>Bei Drei Sch\u00e4tze sind die Kl\u00e4nge alle sehr weltnah. Damit meine ich, dass vieles davon Schritte waren, Gl\u00e4ser, Sessel, etc. Das kann man sehr leicht mit den korrespondierenden Gegenst\u00e4nden nachvertonen. In anderen Genres wie z.B. Sci-Fi m\u00fcssen k\u00fcnstliche Objekte geschaffen werden. Oder ein Klang geschaffen zu dem es keinen realen Bezug gibt, weil dieser schlicht nicht existiert. Bei uns waren zwei Ger\u00e4usche etwas kniffliger, wobei eines davon Foley war und das andere eigentlich SFX.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem der Serienpilot noch nicht ausgestrahlt wurde, kann ich noch nichts vorweg nehmen. Aber so viel sei gesagt: Das Foley-Ger\u00e4usch wurde mit einem Locher, einem Hefter und einem Dosen\u00f6ffner aufgenommen. Das SFX-Ger\u00e4usch mit einem Blatt Papier.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Weitere Schritte<\/h3>\n\n\n\n<p>Nachdem die Foley-Aufnahmen abgeschlossen sind, geht es bei uns weiter mit SFX, Musik und der Dolby Atmos-Mischung. W\u00e4hrend SFX-Sounds schon ausgesucht sind, geht es bei uns derzeit noch sehr um die Musik. Wir arbeiten dabei parallel am Panoramisieren der Spuren und fangen dabei auch schon mit Dolby Atmos-Objekten an. N\u00e4heres zur Dolby Atmos-Mischung folgt in einem sp\u00e4teren Blog-Eintrag.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser Gastauftritt ist in den Telefonstimmen mit der die Protagonistin redet. Einmal hat M\u00e4ggie den Text eingesprochen und einmal ich. Nat\u00fcrlich klingt es sehr Telefon-m\u00e4\u00dfig und man versteht nur bisschen was, aber immerhin ein kleiner Auftritt in dem Serienpiloten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Zum Schluss noch ein paar Foley-Einblicke:<\/h3>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-instagram wp-block-embed is-type-rich is-provider-instagram\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<blockquote class=\"instagram-media\" data-instgrm-captioned data-instgrm-permalink=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/B76xf0xH34g\/?utm_source=ig_embed&amp;utm_campaign=loading\" data-instgrm-version=\"12\" style=\" background:#FFF; border:0; border-radius:3px; box-shadow:0 0 1px 0 rgba(0,0,0,0.5),0 1px 10px 0 rgba(0,0,0,0.15); margin: 1px; max-width:658px; min-width:326px; padding:0; width:99.375%; width:-webkit-calc(100% - 2px); width:calc(100% - 2px);\"><div style=\"padding:16px;\"> <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/B76xf0xH34g\/?utm_source=ig_embed&amp;utm_campaign=loading\" style=\" background:#FFFFFF; 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Ich darf mehr oder weniger fast alle Szenen der Pilotfolge von \u201eDrei Sch\u00e4tze\u201c nachspielen. Dann klingt alles auf einmal ganz anders \ud83d\ude09 @dreischaetze #dreischaetze #foley #sounddesign #serie #serienpilot (Video von @_magdalenamueller \/ Magalena M\u00fcller)<\/a><\/p> <p style=\" color:#c9c8cd; font-family:Arial,sans-serif; font-size:14px; line-height:17px; margin-bottom:0; margin-top:8px; overflow:hidden; padding:8px 0 7px; text-align:center; text-overflow:ellipsis; white-space:nowrap;\">A post shared by <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/cgrubits\/?utm_source=ig_embed&amp;utm_campaign=loading\" style=\" color:#c9c8cd; font-family:Arial,sans-serif; font-size:14px; font-style:normal; font-weight:normal; line-height:17px;\" target=\"_blank\"> Christoph Grubits<\/a> (@cgrubits) on <time style=\" font-family:Arial,sans-serif; font-size:14px; line-height:17px;\" datetime=\"2020-01-29T21:17:02+00:00\">Jan 29, 2020 at 1:17pm PST<\/time><\/p><\/div><\/blockquote><script async src=\"\/\/www.instagram.com\/embed.js\"><\/script>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-instagram wp-block-embed is-type-rich is-provider-instagram\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\nhttps:\/\/www.instagram.com\/p\/B8Q7jA4HZKc\/\n<\/div><\/figure>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem Drei Sch\u00e4tze abgedreht wurde, haben Magdalena M\u00fcller und ich auf den Rohschnitt der Video-CutterInnen gewartet. 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